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Vogelhochzeit - Ein Brauch aus der Lausitz

2013-01-11 17:46

"Vogelhochzeit - oder was Vögel mit Süßigkeiten zu tun haben"
"Sie haben wohl einen Vogel? Heiraten bei klirrender Kälte. - Oh ja! Aber nicht nur einen! Denn zu einer Hochzeit kommen viele Gäste, und bei einer Vogelhochzeit sind es eben Vögel."


Ende Januar schickt der Frühling seine allerersten zarten Lebenszeichen. Bäume saften, einige Vögel legen ihre Eier. Daraus entstand die volkstümliche Ansicht, dass die Vögel Hochzeit feiern würden. So heiratet alljährlich am 25. Januar die Saatkrähe und nimmt sich die Elster zur Frau. So wie die Kinder im strengen Winter die Vögel mit Nahrung beschenken, bedanken sich die Vögel dafür mit ihrer Gabe auf dem Teller.


Und so wird's gemacht: Am Vorabend des Vogelhochzeitstages stellen die Kinder einen Teller ans Fenster. Nach dem Aufstehen finden sie ein Dankeschön der Piepmätze. Noch um 1900 war in den Schüsseln Hirsebrei mit Backpflaumen, heute sind es meist Gebäck oder Süigkeiten. Unartige Kinder finden statt Backwerk ein Stück Kohle.


Soweit die Erklärung des Brauchs aus der Lausitz.

Die Vorschulkinder aus der Kita Rosenkranzbasilika haben in den letzten Jahren die Vogelhochzeit gefeiert und kennen diesen Brauch, der bei den Sorben in der Lausitz seine Wurzeln hat. Der interkulturelle Ansatz der Kindertagesstätte ermöglicht eine authentische Vermittlung und Pflege von Traditionen und Bräuchen. Die Kinder lernen somit früh die Existenz von kultureller Vielfalt und deren Akzeptanz kennen. So war es im vorigen Frühjahr die Idee der Vorschulerzieherin, die Aufführung des Kindervogelhochzeitprogrammes 2013 direkt in Cottbus zu besuchen.


Leider ist es den Verantwortlichen des Sorbischen National Ensembles nicht gelungen, eine Bühne für die Aufführung der Vogelhochzeit in Berlin zu bekommen. Am 10. Januar 2013, früh um 06:50, war es soweit. 17 gespannte Kinder begaben sich bei frostigen Temperaturen gemeinsam mit ihren Erzieherinnen, Kristina Milanovic, Beate Dickhut (Leiterin),  Patrizia Büttner und mir als Kita-Mutter mit der Regionalbahn ab Berlin-Friedrichstraße nach Cottbus. Es war der erste gemeinsame Tagesausflug der diesjährigen Vorschulgruppe, der über die Stadtgrenze Berlins hinausführte.

 

In Cottbus angekommen ging es zum Staatstheater, wo die Theaterpädagogin, Frau Dreko, den Kindern erst einmal den honorigen Jugendstil-Theaterbau vorstellte. Als Entschädigung für die frühe und weite Anreise durften alle Berliner Kinder in der 1. Reihe im Parkett sitzen.


Gebannt folgten die Fünfjährigen dem illustren Programm um die Hauptakteure Snezenka-Schneeflöckchen und den drei Pinguinen Schnebl, Scott und Amundsen. Voller Anmut war die künstlerische Einzelleistung, die Interpretation des Vogelhochzeitsthemas auf moderne Art. Auch die einzigartige Darbietung des Musicals in vier Sprachen (obersorbisch, niedersorbisch, deutsch und englisch) ist als Höchstleistung anzusehen. Snezenka-Schneeflöckchen hatte die Kinder bis nach Berlin begleitet, denn in der folgenden Nacht gab es Neuschnee.


Die Aufführung hat die Kinder und die erwachsenen Begleiterinnen inspiriert und wird sicher noch für einige Zeit Gesprächsthema bleiben. Vielleicht gibt es ja doch demnächst einmal eine Aufführung des Sorbischen National Ensembles in Berlin. Wir würden uns freuen.

Barbara Wahnfried, Kita-Mutter

 

Bilder vom Ausflug nach Cottbus gibt es in der Bildergalerie.

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